A. Schattschneider, P. Roesch, M. Lukas, U. Braun und T. Greiner, Berlin
Den kompletten Artikel können Sie in unserem "Handbuch der Umweltmedizin" nachlesen.
Zusammenfassung
Mit Hilfe der Abwassersurveillance ist es möglich, die Verbreitung und die Infektionsdynamik von Krankheitserregern zu überwachen. Sie ist unabhängig von individuellen Testungen, klinischen Diagnosen, der generellen Verfügbarkeit medizinischer Versorgung und dem Willen der Betroffenen, ärztliche Hilfe aufzusuchen. Die Abwassersurveillance schließt eine Lücke in der Surveillance-Landschaft, da sie nahezu alle Infizierten erfasst, selbst, wenn keine Symptomatik vorliegt. Da aus Abwasserdaten kein Rückschluss auf die Krankheitsschwere gezogen werden kann, sollte sie für ein umfassendes Bild der epidemiologischen Lage jedoch in Zusammenschau mit anderen Surveillancesystemen betrachtet werden.
Mit dem Vorhaben AMELAG konnten Strukturen für eine dauerhafte Abwassersurveillance in Deutschland geschaffen werden. Zunächst wurde die Überwachung von Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) etabliert und auf Influenzaviren sowie das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) erweitert. Durch die Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie in nationales Recht wird in Zukunft die Überwachung von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) im Abwasser ein wichtiges Thema sein.
Für die Erweiterung der Abwassersurveillance auf weitere Erreger und Anwendungen besteht weiterhin Forschungsbedarf. Entsprechende Nachweis- und Messmethoden müssen entwickelt und validiert werden. Ebenso muss für jeden Erreger diskutiert werden, wie eine sinnvolle abwasserbasierte Überwachung gestaltet werden kann.
Schlagwörter: Abwassersurveillance, Krankheitserreger, Infektionsschutz, SARS-CoV-2, Poliovirus, antimikrobielle Resistenzen
Abstract
Wastewater surveillance makes it possible to monitor the spread and infection dynamics of pathogens. It is independent of individual testing, clinical diagnoses, the general availability of medical care, and the willingness of those affected to seek medical help. Wastewater surveillance fills a gap in the surveillance landscape because it detects almost all infected individuals, even those without symptoms. However, since wastewater data cannot be used to monitor disease severity, it should be used with other surveillance systems for a comprehensive picture of the epidemiological situation.
The AMELAG project has established structures for permanent wastewater surveillance in Germany. Initially, monitoring for SARS-CoV-2 was established and expanded to include influenza viruses and RSV. With the implementation of the EU Urban Wastewater Treatment Directive into national law, the monitoring of AMR in wastewater will become an important task in the future.
Further research is needed to expand wastewater surveillance to include additional pathogens and applications. Appropriate detection and analysis methods must be developed and validated. Likewise, for each pathogen, a meaningful wastewater-based surveillance system must be discussed.
Keywords: Wastewater surveillance, pathogens, infection protection, SARS-CoV-2, polio virus, antimicrobial resistances
Zitierweise:
Schattschneider A, Roesch P, Lukas M, Braun U, Greiner T (2026). Abwassersurveillance von Infektionserregern. In: Wichmann HE, Fromme H, Zeeb H, Kaifie-Pechmann A (Hrsg.), Handbuch der Umweltmedizin, 84. Erg.-Lfg. 4/26. ecomed Medizin, Landsberg
Toxikologie - Epidemiologie - Hygiene - Belastungen - Wirkungen - Diagnostik - Prophylaxe
Der ecomed MEDIZIN PublikationsTicker informiert Sie über die wichtigsten und spannendsten Beiträge aus unseren medizinischen Publikationen aus allen Fachgebieten von A wie AINS bis U wie Umweltmedizin.