Führung und Mitarbeitergesundheit
J. Glaser und A. Kühnl
Auszug aus Psychische und psychosomatische Gesundheit in der Arbeit:
Führungskräfte können vielfältige Beiträge für die Mitarbeitergesundheit in der Arbeit leisten. Sie können als Arbeitssystemgestalter gesundheits- und lernförderliche Bedingungen für die Mitarbeiter schaffen. Führungskräfte können als Rollenmodell mit ihrem eigenem Gesundheitsverhalten als positives Beispiel vorangehen. Sie nehmen über Zielvereinbarungen und Feedback konkret Einfluss auf das Arbeitshandeln der Mitarbeiter.
Dabei sollten sie auch die Fürsorgepflicht des Arbeitsgebers wahrnehmen und Fehlentwicklungen der Mitarbeitergesundheit frühzeitig erkennen und Hilfestellung gewähren bzw. weitervermitteln.
Vielversprechend erscheinen vor diesem Hintergrund neuere erhebungsmethodische Forschungsansätze, die sich verstärkt mit spezifischen Aspekten einer gesundheits- und entwicklungsorientierten Führung oder mit den Einflüssen der Führung auf die Vereinbarkeit der Lebensbereiche befassen.
Möglicherweise ist in heutigen Organisationen schon zu viel Führung substituiert, d.h. durch Strukturen, Pläne, Regeln und andere Formen der indirekten Steuerung ersetzt. Führung sieht sich deshalb nicht selten ihrer Einflussmöglichkeiten und Spielräumen beraubt und dann in besonderem Maße mit den bereits angesprochenen widersprüchlichen Arbeitsanforderungen konfrontiert. Zum einen soll unter dem Schlagwort "high performance work systems" noch mehr Leistung erzielt werden, zum anderen zugleich aber auch die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter möglichst lange erhalten bleiben. Zudem geraten Fachaufgaben (darunter immer mehr Dokumentation) mit originären Führungsaufgaben – meist unter hohem Zeitdruck – in Konflikt.
Um diese vielfältigen Aufgaben gut bewältigen zu können, benötigen Führungskräfte spezifisches Wissen sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Umsetzung des Wissens. Dies hat Implikationen vor allem für die Personalentwicklung von Führungskräften. Zudem benötigt es aber auch ausreichend Zeit, um Wissen aufzunehmen, die Fertigkeiten einzuüben und regelmäßig mit den Mitarbeitern darüber zu kommunizieren. Wenn Unternehmen etwa Schulungen für ein gesundheitsförderndes Führen offerieren, was sehr begrüßenswert ist, müssen zugleich auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Führungskräfte dies auch in den Arbeitsalltag integrieren können – und nicht womöglich selbst aus der Balance zwischen Arbeit, Familie und Freizeit kommen.
Zitierweise:
Glaser J, Kühnl A (2015). Führung und Mitarbeitergesundheit. In: Angerer P, Glaser J, Gündel H, Henningsen P, Lahmann C, Letzel S, Nowak D (Hrsg): Psychische und psychosomatische Gesundheit in der Arbeit. DGAUM-Reihe, ecomed Medizin, Landsberg, 74-83
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