Determinanten der Inanspruchnahme von Hilfs- und Versorgungsangeboten: eine qualitative Studie aus Sicht von Betroffenen mit einer Alkoholkonsumstörung

Britta Jacobsen, Ludwig Kraus, Christiane Schmidt, Jens Reimer, Ingo Schäfer, Bernd Schulte

| Suchtmedizin | Suchtmedizin

Zusammenfassung

Hintergrund: Trotz verfügbarer evidenzbasierter Versorgungsangebote nehmen nur wenige Menschen mit einer Alkoholkonsumstörung in Deutschland professionelle Hilfen in Anspruch. Die Inanspruchnahme erfolgt häufig erst spät und ist durch zahlreiche individuelle, soziale und strukturelle Barrieren erschwert.

Methode: Im Rahmen des PRAGMA-Projekts wurden 34 qualitative Einzelinterviews mit Betroffenen einer Alkoholkonsumstörung geführt und mittels inhaltsanalytischer Verfahren ausgewertet. Ziel war es, fördernde und hemmende Determinanten der Inanspruchnahme von Hilfs- und Versorgungsangeboten aus Sicht der Betroffenen zu identifizieren.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass fehlende Problemwahrnehmung, Angst vor Stigmatisierung, persönliche Belastungen (z.B. familiär, finanziell), mangelndes Wissen über das Hilfesystemsowie strukturelle Barrieren (z.B. lange Wartezeiten, fehlende Kontinuität,mangelnde Passgenauigkeit der Angebote) zentrale Hemmnisse darstellen. Negative Erfahrungen mit dem Hilfesystem und geringes Vertrauen in die Versorgungsqualität erschweren zusätzlich die Nutzung von Hilfsangeboten und führen häufig zu Therapieabbrüchen.

Schlussfolgerungen: Zur Verbesserung des Zugangs und der nachhaltigen Inanspruchnahme von Hilfsangeboten sind niedrigschwellige, bedarfsgerechte und zielgruppenspezifische Unterstützungsstrukturen, kontinuierliche Begleitung durch feste Ansprechpartner:innen sowie flexiblere Versorgungsangebote erforderlich, die auf individuelle Lebenslagen eingehen.

Schlagwörter: Alkoholkonsumstörung, Hilfesystem, Barrieren, qualitative Studie, Versorgung, Stigmatisierung, Patientenperspektive /Patient:innenperspektive/Betroffenenperspektive

Schlagwörter: Alkoholkonsumstörung, Hilfesystem, Barrieren, qualitative Studie, Versorgung, Stigmatisierung, Patientenperspektive /Patient:innenperspektive/Betroffenenperspektive

Abstract

Background: Despite the availability of evidence-based treatment options, only a minority of peoplewith alcohol use disorder in Germany utilize professional support services. Service utilization often occurs late and is hindered by numerous individual, social, and structural barriers.

Method: As part of the PRAGMA project, 34 qualitative interviews were conducted with individuals affected by alcohol use disorder. The interviews were analysed using qualitative content analysis to identify facilitating and inhibiting determinants of service utilization from the perspective of those affected.

Results: The findings reveal that lack of problem awareness, fear of stigmatization, personal responsibilities (e.g., family, financial), insufficient knowledge about the support system, and structural barriers (e.g., long waiting times, lack of continuity, insufficiently individualised services) are key obstacles. Negative experiences with the health system and low trust in service quality further impede the use of support services and often lead to treatment discontinuation.

Conclusions: To improve access to and sustainable use of support services, there is a need for low-threshold, needs-based, and target group-specific support structures, continuous guidance by fixed contact persons, and more flexible services tailored to individual life situations.

Keywords: Alcohol use disorder, support system, barriers, qualitative study, service provision, stigmatization, patient perspective.

Zitierweise:

Britta Jacobsen, Ludwig Kraus, Christiane Schmidt, Jens Reimer, Ingo Schäfer, Bernd Schulte (2026) Determinanten der Inanspruchnahme von Hilfs- und Versorgungsangeboten: eine qualitative Studie aus Sicht von Betroffenen mit einer Alkoholkonsumstörung. Suchtmedizin 28 (2) 49-116

Addiction Medicine

Preis für Jahresabo Deutschland (Print inkl. Online)‎ 264,99 €
Zeitschrift

Produktempfehlungen

PublikationsTicker-Newsletter.png
ecomed MEDIZIN PublikationsTicker

Der ecomed MEDIZIN PublikationsTicker informiert Sie über die wichtigsten und spannendsten Beiträge aus unseren medizinischen Publikationen aus allen Fachgebieten von A wie AINS bis U wie Umweltmedizin.

Kontakt & Service

E-Mail: kundenservice@ecomed-storck.de | Telefon: +49 (0)89 2183-7922 | Telefax: +49 (0)89 2183-7620

Newsletter | Verlag | Kontakt | Impressum | AGB | Datenschutz | Datenschutz-Einstellungen

Weitere Online-Angebote der ecomed-Storck GmbH

ecomed-umweltmedizin.de | ecomed-suchtmedizin.de